Das Archipel

 
     
          
          
 

Die kleine Inselgruppe um die Hauptinsel Lipari, auch Äolische Inseln genannt, ist ein Segelrevier, das es mit allen sonstigen Winkeln des Mittelmeers spielend aufnehmen kann. Landschaftliche Schönheit, mediterranes Klima und die gemächliche Lebensart auf den nur wenige Quadratkilometer messenden Inseln bilden zusammen ein Revier, das regelrecht danach verlangt, mit einem Boot erkundet zu werden. Als Zugabe gibt es aktiven Vulkanismus, desse heiße Dämpfe man hautnah erspüren kann. Stromboli, ein aktiver und steil aus dem Meer aufstrebender Inselvulkan, ist allein schon eine Reise wert. Aber auch Vulkano mit seinem kräftig dampfenden Krater stellt eine Besonderheit dar, die man gesehen haben muss. Egal also, wo man mit dem Törn beginnt - hier liegt man mit jeder Insel richtig.

Obwohl das Archipel nicht mit Sehenswürdigkeiten geizt, hat es sich seine Abgeschiedenheit bis heute bewahrt. Das liegt vor allem daran, dass die Inseln nicht wie die Balearen im Handstrich zu erobern sind. Der nächstgelegene Flughafen Catania liegt fernab im Süden, die sich anschließende Fahrtstrecke bis zur Hafenstadt Milazzo an der Nordküste Siziliens beträgt noch einmal rund 130 km. Wer die Inseln nach dem Flug erreichen will, darf also noch eine kleine Reise dranhängen und bis man endlich Inselboden betritt, ist man noch mindestens zweimal umgestiegen.

Doch die Mühe lohnt sich, zumal das letzte Stück auch mit einer Yacht zurückgelegt werden kann. Und das ist für Segler, die sich für das Archipel entschieden haben, sowieso der Idealfall. Dabei ist das Gebiet für Anfänger wie Segelprofis gleichermaßen geeignet. Die Inseln liegen so nah beieinander, dass man bei seinen Tagesetappen praktisch ohne Navigation auskommt. Jedes neue Tagesziel läßt sich "auf Sicht" ansteuern - die 600 bis 900 Meter hohen Inselvulkane sind einfach unübersehbar. Das erleichtert die Orientierung im Revier von Anfang an. Andererseits gibt es hier aber, je nach Jahreszeit, auch heftige Winde. Da die Inseln insgesamt nur wenige schützende Häfen bieten, sind also Erfahrung, Seemannschaft und Segelfertigkeiten gleichermaßen erforderlich.



Karte der Liparischen Inseln


Wie sie so hingestreut sind aufs Tyrrhenische Meer, zwischen den italienischen Stiefel und Sizilien im Süden, laden die Inseln zu Entdeckungs- und Erkundungsfahrten geradezu ein. Alle sind vulkanischen Ursprungs und genau genommen sind es nur die Spitzen sieben mächtiger Vulkane, deren Gipfel knapp aus dem Wasser ragen und deren steile Flanken sich unter der Meeresoberfläche bis in eine Tiefe von 3500 Metern fortsetzen. Steilküsten mit zahlreichen Buchten und vorgelagerte Inseln dominieren daher das Landschaftsbild. Das Umsegeln der Inseln bietet einmalige Ausblicke: gebirgig und von mittelländischer Vegetation überwuchert, sind die Küsten überwiegend wild zerklüftet und von zahlreichen senkrechten Schluchten durchschnitten.

Die Isole Eolie, wie sie in Italien genannt werden, blicken zurück auf eine äußerst wechselhafte Geschichte mit wirtschaftlichen Blütezeiten, verheerenden Vulkanausbrüchen und militärischen Invasionen. Besonders Seeräuber suchten das Archipel über viele Jahrhunderte hinweg immer wieder heim und machten auf den nur dünn besiedelten Inseln leichte Beute. Das dramatischste Ereignis dabei war wohl der Raubzug des türkischen Korsaren Khair-ad Din, der 1544 die Inseln überfiel und 10.000 Einwohner in die Sklaverei verkaufte. Ein Riesengeschäft, das die Inseln allerdings weitgehend entvölkerte. Doch in den nachfolgenden Jahrhunderten wurden die Zeiten sicherer, die Eilande wieder neu besiedelt und die Insulaner gingen dem Weinanbau und der Fischerei nach. Heute leben auf dem Archipel wieder rund 13.000 Menschen.



 
   
                 
 

Die Inseln

 
          
          
          
 

Lipari

 
 

      

 
 

Die größte und bevölkerungsreichste Insel des Archipels ist mit 37 km² Lipari. Hier leben gut 10.000 Menschen, die Hälfte davon in Lipari-Stadt. Die Insel liegt geografisch genau in der Mitte der Inselgruppe, ist Verwaltungssitz und gleichzeitig touristisches Zentrum. Der Fremdenverkehr ist heute der bedeutendste Wirtschaftsfaktor Liparis und vor allem im Sommer stürmen vorzugsweise italienische Touristen die Insel. Dann verdoppelt sich leicht die Einwohnerzahl von Lipari-Stadt und die Quartiere werden knapp. Wegen des sehr heißen Klimas sind diese Monate für einen Besuch aber nur bedingt zu empfehlen – andere Jahreszeiten dafür um so mehr.

Lipari-Stadt hat gleich mehrere Häfen, wo Fähren und Yachten einlaufen können. Den inneren Stadthafen Marina Corta, direkt am zentralen Platz der Stadt, verteidigen immer noch die Fischer mit ihren Booten. Doch Marina Lunga und Marina di Porto Salvo in der weiten Bucht nördlich der alten Festung bietet auch allen sonstigen Booten einen Platz. In der Stadtmitte, unmittelbar am Meer, befindet sich der Burgberg mit historischem Kastell. Man kann einmal drüberspazieren, aber erwarten sollte man nichts. In der Stadt hingegen bekommt man alles, was man für seinen Urlaub braucht: Angel-, Tauch-, und Segelausrüstung, touristische Informationen, die Möglichkeit zu Ausflügen in jede Richtung und natürlich Quartier. In der Ortsmitte dazu eine sehr schöne Shoppingmeile mit zahllosen Geschäften und Restaurants.

 

Castello Lipari

Castello Lipari - bewegte Geschichte
Im Zentrum von Lipari, direkt am Meer, liegt das alte Castello. Die Festung thront über dem Hafen und innerhalb seiner Mauern sind alle Baustile der letzten zwei Jahrtausende versammelt. Die Anordnung der Gebäude ist chaotisch, dazu werden große Ruinenareale in der Mitte der Burg als Sehenswürdigkeiten gezeigt. Über Lipari herrschten Griechen, Katharger, Sarazenen, Spanier, Normannen und Franzosen, zuletzt die Italiener. Diese wechselhafte Vergangenheit und ein fehlendes Konzept für die Gegenwart ist in der Burg überall spürbar.


Außer dem Castello wird auf Lipari noch die Therme von San Calogero als besondere Sehenswürdigkeit angepriesen. In dem heißen Tümpel saßen schon vor 3500 Jahren die Kurgäste und ließen sich mit dem heilkräftigen Wasser behandeln. Das war auch noch zur Römerzeit der Fall und im 19. Jh. wurde sogar ein stattlicher klassizistischer Bau über der heilkräftigen Quelle errichtet. Die Therme wurde zuletzt 2002 mit dem Ziel der Neueröffnung unter großem Aufwand erweitert und saniert. Bis heute ist das Anwesen jedoch geschlossen und völlig verlassen. Inzwischen nagt auch schon wieder der Zahn der Zeit an dem leerstehenden Haus.

An der Nordostspitze der Insel wird Bimsstein gewonnen. Die Küste ist hier weiß vom Abraum und den gigantischen Halden, auf denen die großporigen Steine gelagert werden. Es ist der Vulkan Monte Pilato, der den Bewohnern von Lipari den Bimsstein als Handelsware bescherte. Inmitten des weitläufigen Abbaugebietes findet sich außerdem eine mineralogische Besonderheit. Der Vulkan schickte seinerzeit auch einen Fluß von schwarzem Obsidiangestein talwärts. Das Vulkanglas ist tiefschwarz, scharfkantig und war schon in prähistorischen Zeiten ein hochbegehrter Rohstoff. Obsidian aus Lipari ist bereits für das 5. Jahrtausend v.u.Z. als Ausgangsmaterial für Schneidwerkzeuge und Pfeilspitzen im ganzen Mittelmeerraum nachweisbar. Heute beglückt man mit den wie poliert wirkenden Steinen auf jeder Insel und an jeder Straßenecke die Touristen.

Lipari hält für seine Besucher eine vielfältige Landschaft bereit. Das Inselfestland bietet eine bunte Mischung aus Bergen, Hügeln und Feldern. Und weil es ein kleines Festland ist, ist immer und überall das Meer präsent und die umliegenden Inseln rücken ins Blickfeld. Als einzige von allen Inseln hat Lipari eine Ringstraße von gut 30 km Länge, auf der man die Insel einmal abfahren kann. Dabei ergeben sich reizvolle Ausblicke in alle Richtungen. Man sollte aber nicht allzuviel Gas geben, sonst steht man ganz fix wieder am Ausgangspunkt seiner Rundreise.
Lipari besitzt aber auch eine sehenswerte Küste und die Umfahrung mit dem Boot bietet eindrucksvolle Naturimpressionen. Vor den felsigen Steilküsten entdeckt man immer wieder imposante Faraglioni. Diese frei und wie verloren im Meer stehenden Felsen erreichen spektakuläre Höhen von bis zu 60 Metern.



Lipari
Blick von Lipari zur Insel Vulcano - am Horizont die Küste von Sizilien




Vulcano

Die südlichste Insel des Archipels ist erst seit dem 19. Jahrhundert bewohnt. Bis dahin war den Besuchern das Rumoren tief im Inselboden einfach unheimlich. Das ständige Donnern und Poltern unter den Füssen stellte die Menschen der Antike vor ein Rätsel. Eine Erklärung mußte her und die Experten einigten sich auf eine schlüssige und überzeugende Theorie: tief im Berg steht der Riese Hephaistos vor seinem Amboss und schmiedete bei rotglühendem Herdfeuer Blitze für Göttervater Zeus. Oben hörten die Menschen seine wilden Hammerschläge und sahen den Rauch des Schmiedefeuers. Das war für viele Jahrhunderte anerkannte wissenschaftliche Lehrmeinung. Später kamen die Römer, die den unruhigen Berg nach ihrem Feuergott Vulkanus tauften und damit zum Namensgeber für alle Vulkane dieser Erde machten.

Auf der Insel zählt man gleich vier bedeutende Vulkanberge: Lentia, Vulcano Piano, Fossa di Vulcano und Vulcanello. Die drei Vulkane der Hauptinsel sind ungefähr 16.000 Jahre alt, Vulcanello dagegen erst 2000. Dafür liegt der letzte große Ausbruch des Fossa di Vulcano erst hundert Jahre zurück. Von August 1888 bis März 1890 gab es immer wieder heftige Eruptionen, bei denen heißes Vulkangestein bis zur Insel Lipari geschleudert wurde – mehr als zwei Kilometer weit. Die Meerenge von 1,6 km Breite bietet also nur relativen Schutz, wenn Hephaistos mal so richtig loslegt. Gegenwärtig ist der Vulkan aber „lieb“, in seine heißen Quellen kann man sogar baden. Original Werbespruch: „Ein Bad im friedlich blubbernden Schwefelschlammtümpel verspricht Schönheit und Gesundheit …“ Wer sich auf so ein Bad einläßt, riecht allerdings noch drei Tage lang nach faulen Eiern – Schönheit hat eben ihren Preis.

Heute zählt Vulkano im Sommer 450 Einwohner, beherbergt aber in der Saison gut doppelt so viele Touristen. Im Winter reduziert sich die Zahl jedoch erheblich, Kneipen und Geschäfte bleiben geschlossen und die Fähren pendeln weniger häufig zum Festland. Im stillen Süden hat die Insel noch viel Natur und einige idyllische Flecken zu bieten, im Krater il piano wird sogar ein wenig Landwirtschaft betrieben. An seiner Küste wartet Vulkano zudem mit einigen spektakulären Grotten auf, die allerdings im Bereich der felsigen Steilküste liegen und mit dem Boot erkundet werden müssen. Im Norden liegt Vulcanello, wo der heiße Vulkandampf wie selbstverständlich aus Straßen und Mauern quillt.


Halbinsel Vulcanello

Vulcanello - ein geologisches Baby
Der Halbinsel im Norden von Vulcano sieht man nicht an, dass sie gerade mal ein paar hundert Jahre alt ist. Der römische Historiker Polybios war 183 v.Chr. Zeuge eines Ausbruchs, bei dem in der Meerenge zwischen Vulcano und Lipari eine Insel entstand. Schon 57 Jahre später vergrößerte ein weiterer Ausbruch das Eiland. Kleinere Eruptionen im 6. Jh. und der große Ausbruch im Jahr 1550 ließen die Vulkaninsel auf die heutige Höhe von 123 m anwachsen. Erst damals entstand auch die schmale Landverbindung zur Hauptinsel Vulcano.


Der heiße Dampf, der vor allem im Krater Fossa di Vulcano zur Kristallisation und einem beständigen Niederschlag von makellos gelbem Schwefel sorgt, ließ schon in der Antike einen regen Handel damit aufkommen. Als später das Schwarzpulver erfunden und die Komponente Schwefel zu einem begehrten Rohstoff wurde, führte das zum schnellen wirtschaftlichen Aufschwung Vulcanos. Die Schwefelgewinnung war so lukrativ, dass der Engländer Stevenson 1860 einen Großteil der Insel kaufte und Schwefel in bedeutendem Umfang abbaute. Doch schwere Ausbrüche des Fossa di Vulcano ab 1888 beendeten jegliche unternehmerische Aktivität und entzogen dem florierenden Geschäft die Basis.

Obwohl Vulcano als die vulkanologisch unsicherste und am meisten gefährdete Insel des Archipels gilt, wird hier kräftig gebaut. Die Ortschaft am Fuße des Vulkans wächst beständig und selbst auf der geologisch höchst instabilen Halbinsel Vulcanello entstehen immer neue Siedlungen und Hotelkomplexe. So kann es also in Zukunft dazu kommen, dass das örtliche Bauamt zwar viele Neubauten genehmigt hat, der Vulkan aber über die zahlreichen Gebäude noch einmal ganz neu entscheidet. Und wenn es ihm gefällt, dann gleich in Verbindung mit einer größeren Umgestaltung der Insellandkarte.



Vulcano
Krater des Fossa di Vulcano




Salina

Gleich nach Lipari ist Salina mit rund 27 km² die zweitgrößte der Inseln. Salina besitzt jedoch ohne Zweifel die schönsten Vulkanberge des Archipels. Zwei formvollendete, grün überwucherte Vulkankegel bilden die unverwechselbare Silouhette der Insel, die in antiker Zeit den Namen Didyme (Zwilling) trug. Insbesondere der westliche Monte dei Porri präsentiert sich in einer geradezu idealen Form und würde jedes Vulkan-Casting gewinnen. Der gegenüber liegende Monte delle Falci ist dafür mit 962 m der höchste Gipfel der Liparischen Inseln.

Dass die Insel heute so herrlich grün und bewaldet ist, hat seinen Grund. Die Berghänge, an die sich Dörfer und Felder anschmiegen, sind schroff und eine beständigen Erosion ausgesetzt. Durch das Abholzen der mächtigen Urwälder seit der ersten Besiedlung der Inseln hatte der Regen leichtes Spiel und spülte metertiefe Rinnen und schließlich ganze Schluchten in die Vulkanberge. Die Auswirkungen dieser extremen Bodenerosion sind auf allen Inseln des Archipels zu beobachten. Auf Salina versucht man darum gegenzusteuern und läßt wieder Bäume wachsen.

Die Insel zählt drei grosse Ortschaften und jede hat einen anderen wirtschaftlichen Schwerpunkt: um das im Norden liegenden Malfa befinden sich die Anbaugebiete der einheimischen Kaper, im südlichen Leni dagegen hegt und pflegt man die Malvasia-Rebe und die Hafenstadt Santa Marina Salina im Osten hat sich der Fischerei und dem Transportgewerbe verschrieben. Damit sind auch gleich die kulinarischen Spazialitäten der Liparischen Inseln genannt, die überwiegend hier auf Salina erzeugt werden. Die Malvasia-Rebe wird schon seit der Römerzeit zwischen den beiden Vulkanbergen kultiviert und ergibt einen goldig-süssen Desertwein. Doch auch Salinas Kapern sind ein Genuss, denn ihr Geschmack ist so ganz anders als der jener Sorten, die man in Deutschland kennt.

Salina blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Im 18. Jh. gab es auf der Insel eine wirtschaftliche Blütezeit und mehr als 9000 Insulaner lebten gut von ihrer Arbeit. Doch die aus Amerika eingeschleppte Reblaus beendet den Wirtschaftsboom, die Reben verfaulten auf den Feldern und die Bewohner wanderten aus - vorzugsweise nach Amerika. Heute hat Salina nur noch 2400 Einwohner und der Tourismus ist zu einem festen wirtschaftlichen Standbein der Insel geworden.



Isola Salina
Salina




Stromboli

Wenn man sich der Insel mit seinem aktiven Vulkan nähert, fragt man sich unwillkürlich, was für Menschen das wohl sind, die hier ein Grundstück erwerben und ein Haus darauf bauen. Denn neben den eher verhaltenen vulkanischen Aktivitäten kann der Vulkan zwischendurch auch mal ganz anders. Im Jahr 2002 schleuderte der Vulkan Gesteinsblöcke von bis zu 30 Tonnen aus seinem Schlot. Außerdem rutschten acht Millionen Kubikmeter Gestein von der Vulkanflanke ins Meer und löste eine Flutwelle rund um die Insel aus. Zahlreiche Boote und Häuser in Ufernähe wurden überschwemmt und zerstört. Was also sind das für Leute, die hier zum Zwecke der Altersvorsorge eine Immobilie erwerben?

Der Vulkan Stromboli ist jedenfalls die Attraktion des Inselarchipels und darf auf keinen Fall versäumt werden. Jahrhunderte lang war der Vulkan mit seinem weithin scheinenden Gipfelfeuer ein rot befeuerter Leuchtturm, der den Fischern und Seefahrern der Region als natürliches Seezeichen diente. Gegenwärtig ist er nicht mehr ganz so aktiv, schleudert aber in regelmäßigen Abständen gewaltige Aschefontänen in den blauen Himmel – bis zu einigen hundert Metern hoch. Poltert der Vulkan zwischendurch mal besonders laut, glaubt man sogar, es unter den Füssen zu spüren. Eine Erfahrung der besonderen Art.


      
Jedem Fischer seine Raupe
Statussymbole am Strand von Stromboli

Natürlich wünscht man sich als nette Urlaubsepisode einen gewaltigen Vulkanausbruch, Kraterexplosionen und gern auch Lavaströme breit wie die Autobahn. Aber bitte nicht, wenn man selbst gerade auf Landgang ist. In dem Fall ist ein mittleres Grollen gerade so viel Naturgewalt, wie man noch zu tolerieren bereit ist.

Auf Stromboli geht man mit dem 900 Meter hohen Berg im Rücken jedenfalls sehr gelassen um. Das größte Dorf auf der Insel hat sechs Stadtteile – Piscita, San Bartolo, Ficogrande, San Vincenco, Scari und Pizzillo – und das zeigt doch, dass die 430 Einwohner ihren Humor noch nicht verloren haben. Das Leben hier geht einen gemächlichen Gang und selbst die zahlreichen Touristen können der Insel den Charme der Beschaulichkeit nicht rauben. Der Einzige, der auf diesem Pulverfass wirklich Stress hat, ist der Grundstücksmakler. Denn das ist ja wohl klar – bei heftiger vulkanischer Aktivität stürzen die Quadratmeterpreise ins Bodenlose. Da heißt es Nerven behalten und wie ein ausgekochter Börsenprofi schnell noch die besten Inselgrundstücke verkaufen, bevor sich die Lava zur Haustür hereinwälzt.

Stromboli
Inselvulkan Stromboli




Panarea und Basiluzzo

Die Insel Panarea - 320 Einwohner - liegt auf halbem Weg zwischen Lipari und Stromboli und ist nur 3,4 km² groß. Die Insulaner – alles Millionäre! Naja, vielleicht nicht alle, aber das Eiland gilt als VIP-Insel, wo sich im Sommer die Reichen (und ihre Schönen) tummeln. Dann ankern vor der Ostküste Panareas die Luxusyachten und in den Boutiquen werden Weinflaschen, Designerklamotten und glitzernde Fingerringe verkauft. (Wobei unsereins für jeden dieser Artikel drei Monate rackern müsste.)

Für Sehenswürdigkeiten ist auf dem kleinen Flecken nicht viel Platz, doch im Süden der Insel gibt es eine steinzeitliche Fundstätte. Dort wurde für den Tourismus ein prähistorisches Dorf „erschlossen“. In dem Zusammenhang kann man vielleicht einmal anmerken, wie auf den italienischen Inseln mit historischen Funden verfahren wird. Werden spärliche Reste einer alten Bebauung gefunden, vielleicht eine Steinreihe hoch, fährt man flugs weitere Steine heran - ungefähr zwei LKW-Ladungen - und mauert auf die alten Fundamente noch drei oder vier Steinlagen drauf. Nun kann jeder Tourist genau sehen, was unsere Vorfahren mit der Mauer vielleicht gemeint hatten. (Man stolpert auch nicht mehr so leicht über die Originalfunde.)

Falls man von dieser Art der Bewahrung prähistorischer / historischer Fundstätten (ist doch egal) nichts hält, kann man gleich neben dem Steinzeitdorf sehr schön schwimmen gehen. Auf diese Weise bleibt der Besuch des „Villaggio Preistorico“ doch noch ein unvergessliches Erlebnis.

Nordöstlich von Panarea wäre noch Basiluzzo zu erwähnen, eine schroffe Felsinsel, die immerhin die beachtliche Höhe von 165 Metern erreicht. Wer dort die Reste der alten römischen Villa besichtigen möchte, sollte sich dem felsigen Eiland von Osten nähern. An der schroffen Westküste dagegen fallen die Felswände vom Gipfel bis zum Meer hinunter senkrecht ab. Südlich dieser bizarren Felsinsel gibt es noch eine Gruppe kleinerer und größerer Klippen, zwischen denen in den letzten Jahren starke vulkanische Aktivitäten am Meeresgrund beobachtet wurden.

Basiluzzo
Klippen von Basiluzzo




Alicudi

Die Liparischen Inseln nennt man auch die Sieben schönen Schwestern und Alicudi ist unter ihnen in jeder Hinsicht das Stiefkind. Auf der mit 5,2 km² zweitkleinsten Insel des Archipels gibt es weder Straßen noch Autos, Menschen und Lasten werden auschließlich von Eseln transportiert. Alicudi ist nicht nur geographisch abgelegen - an der Insel im Westen ziehen auch die Touristenströme und damit die Euros vorbei. Damit bleibt die Insel von den Segnungen der Globalisierung weitestgehend ausgeschlossen und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es hier seit 1991 elektrischen Strom gibt.

Im Mittelalter noch völlig unbewohnt, gibt es auf dem Eiland erst seit dem 17. Jahrhundert eine dauerhafte Besiedlung, die heute jedoch bei bescheidenen 140 Einwohnern stagniert. Der Besucher findet hier eine himmlische Stille und Einsamkeit und genießt vor allem auf der gänzlich unberührt gebliebenen Westseite der Insel die herbe Schönheit eines vor 28 000 Jahren erloschenen Vulkanberges.


Isola Alicudi
Alicudi




Filicudi

Die Insel liegt auf halbem Weg zwischen Salina und Alicudi und ist wie alle übrigen vulkanischen Ursprungs. Der Hauptgipfel Fossa della Felci erhebt sich 774 Meter über die Küstenlinie und der gestreckte Rücken der Insel ist in seiner machtvollen Breite selbst von Sizilien aus noch gut zu erkennen. An der nach Osten hin flachen, offenen Küste liegt der Hafen Filicudi Porto, der bevorzugt von den zwischen den Inseln verkehrenden Fähren angefahren wird. Bei schlechtem Wetter kann notfalls auch auf den Hafen Porto Piccolo im Süden ausgewichen werden, bei ganz schlechtem Wetter aber drehen die Fähren wieder ab und die 300 Insulaner bleiben unter sich.

Die Vulkanhänge von Filicudi sind von tiefen Schluchten durchschnitten, die der Regen hier in Jahrtausenden in den lockeren Ascheboden gespült hat. Das Küstenprofil wirkt dadurch wild und urwüchsig und bis heute vermochte der Mensch diesem Wirken von Wind und Wetter nichts entgegenzusetzen.


Im Westen, gut eine Seemeile vor der Küste, entdeckt man einen imposanten Steinpfeiler, der hier einsam den Wellen trotzt. Dieser Scoglio della Canna ist beeindruckende 71 Meter hoch und das erstarrte Relikt einer vulkanischen Eruption vor etwa 23 000 Jahren. Der Felsen ist damit die höchste Klippe des Archipels und übertrifft selbst den südlich von Lipari stehenden Pfeiler Pietralunga noch um 11 Meter.



Filicudi
Porto Piccolo - der Anleger im Süden von Filicudi







Felsen von Basiluzzo
Fotoalbum 1
Felsen von Basiluzzo
Fotoalbum 2



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